
Während der intensiven Arbeit am zweiten Band meiner autobiografischen Trilogie GETRIEBEN werden Nebenschauplätze selten. Die Welt eines Autors ist in solchen Phasen oft von Einsamkeit, Erinnerungen und dem ständigen Ringen um Worte geprägt. Doch hin und wieder bricht die Realität durch die Stille des Schreibens und fordert ihren Platz ein.
Seit Monaten warte ich auf eine Reaktion der Freien Presse Sachsen zu ihrer fehlerhaften Berichterstattung aus dem Jahr 2016, in der Jürgen Landmann als erster Vogtländer auf dem Mount Everest bezeichnet wurde. Trotz mehrfacher Hinweise schweigt die Zeitung bis heute und verweigert eine Korrektur. Über die Gründe kann lediglich spekuliert werden. Eine dieser Spekulationen führt zurück in die DDR-Zeit, als ich über Jahre hinweg von dem damaligen IM Steffen Müller beobachtet wurde – einem Mann, der seinerzeit journalistisch für das Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands tätig war und heute zu den prägenden Redakteuren der Freien Presse zählt. Ob hierin ein Zusammenhang besteht, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Schweigen bleibt jedoch bemerkenswert. Umso erfreulicher ist es, wenn Medien den Mut finden, Fehler zu korrigieren.
Der Sachsenspiegel des MDR hat seine Aussagen aus der Sendung „Gipfeltraum“ vom 18. Mai 2026 inzwischen berichtigt. Dort waren nicht nur meine Besteigung des Mount Everest, sondern auch die Leistungen weiterer sächsischer Bergkameraden unerwähnt geblieben, die ebenfalls auf dem höchsten Punkt der Erde standen. Für diese Korrektur möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Es mag nur ein kleiner Vorgang sein. Doch in einer Zeit, in der historische Wahrheiten zunehmend zur Verhandlungsmasse werden, in der verschwiegen, verkürzt, umgedeutet und bisweilen sogar umgeschrieben wird, besitzt jede sachliche Richtigstellung Gewicht. Geschichte lebt von Fakten.
Die Antwort des MDR ist deshalb mehr als eine Korrektur. Sie ist ein kleiner Funke Hoffnung in einer Medienlandschaft, die nicht selten von Manipulationen, Verzerrungen und selektiver Wahrnehmung geprägt erscheint.
Die vollständige Stellungnahme des MDR dokumentiere ich nachfolgend.
Und die Freie Presse?
Nun, von Leipzig nach Chemnitz ist es nicht allzu weit. Vielleicht findet man dort eines Tages ebenfalls den Weg zu den Tatsachen. Jeder Schritt hin zu einer offenen, ehrlichen und selbstkritischen Erinnerungskultur hilft dabei, Vorurteile abzubauen und jenes Bild eines vermeintlichen Dunkeldeutschlands hinter sich zu lassen, das einst von höchster politischer Stelle geprägt wurde. Aus Dunkel kann Helligkeit werden – wenn man bereit ist, hinzusehen.
Historische Wahrheit beginnt oft mit einem einzigen Satz: Es war anders.
Berg Heil!
Mayk Ulbricht (Schega) / Autor Arno Ulbro

Redaktion der Sendung MDR SACHSENSPIEGEL vom 29.05.2026:
Sehr geehrter Herr Ulbricht,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Kritik am SACHSENSPIEGEL-Beitrag „Gipfeltraum“ vom 18.05. In der Moderation zu diesem Beitrag hatte die Moderatorin behauptet, dass Jörg Stingl als bisher einziger Sachse im Mai 2001 den Mount Everest bestiegen hat. Das war falsch und das bedauern wir ausdrücklich. Der Autor des Beitrags hatte im Vorfeld natürlich recherchiert, allerdings nicht gründlich genug.
Er erklärt sich den Recherchefehler u.a. damit, dass die öffentlich zugängliche Übersicht der Besteiger des Mount Everest nur Nationalitäten angibt, aber keine Herkunft aus den deutschen Bundesländern. Nachfragen beim Sächsischen Bergsteigerbund und beim Alpinclub Sektion Sachsen hatten auch keine Übersicht über sächsische Everest-Besteiger ergeben. Nachdem sich ein Leipziger gemeldet hatte, der 2024 ebenfalls den Mount Everest bestiegen hatte, haben wir die entsprechende Passage aus dem SACHSENSPIEGEL-Sendemitschnitt in der ARD-Mediathek entfernt und auf der MDR-Webseite „Hier stellen wir richtig“ bereits korrigiert und unseren Fehler öffentlich eingeräumt. Wir haben Ihre Kritik zum Anlass genommen, in der Fehlerkorrektur auch Ihren Namen und damit Ihre außergewöhnliche Leistung klar zu benennen.
https://www.mdr.de/in-eigener-sache/mdr-sachsenspiegel-6026.html
Neben der Berichtigung und öffentlichen Klarstellung des Fehlers haben wir Ihre Kritik zum Anlass genommen, um die gesamte Redaktion zu sensibilisieren. Recherchen müssen natürlich korrekt sein und – wie Sie es auch schreiben – journalistische Sorgfalt ist uns extrem wichtig. Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass wir bis zu Ihrer schriftlichen Reaktion nicht wussten, dass auch Sie als gebürtiger Sachse schon 2010 im Zuge der Besteigung aller Seven Summits auch auf dem Gipfel des Everest waren. Im MDR SACHSENSPIEGEL gibt es keine Diskriminierung von Personen wegen ihrer geschlechtlichen Neigungen oder politischer Positionen. Wir stehen – wie der gesamte MDR – für Vielfalt, Offenheit und demokratischen Diskurs.
Wir bedanken uns ausdrücklich für Ihre Kritik und haben großen Respekt vor Ihrer Everest-Besteigung vor 16 Jahren. Da inzwischen klar ist, dass mehrere Sachsen den höchsten Berg der Welt bestiegen haben und das aufgrund unserer fehlerhaften Recherche in der Moderation nicht richtig dargestellt wurde, ist das besonders ärgerlich. Dafür entschuldigen wir uns.
Mit freundlichen Grüßen
Olaf Kische
Redaktionsleiter
MDR SACHSENSPIEGEL

Wer mehr über die Expedition, mit der ich am 23. Mai 2010 den höchsten Gipfel der Erde bestieg, wissen möchte:
Hier geht es zum Dokument „2010 IMG Mt. Everest Summiteers & Climbers„
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